: Parlamentswahl in Polen

Herrschaft des Pubertiers

Will man die PiS verstehen, muss man sich ihren Vorsitzenden Jarosław Kaczyński anschauen. Der 66jährige ehemalige Premier ist nationalistisch, fremdenfeindlich bis offen rassistisch und schwer homophob. Er hasst Russen, Kommunisten und alle, die politisch vage nach links tendieren. Gegen Europa im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen hegt er – euphemistisch gesprochen – eine innige Abneigung. Mit seinen Verschwörungstheorien passt er eher auf eine montägliche Mahnwache als in irgendein Parlament.

Diesen Mann, zumindest die von ihm geprägte Partei hat also mehr als jeder dritte Pole gewählt. Ein Teil aus echter Überzeugung, viele aber auch aus purem Trotz. Er ist ein altes Motiv polnischen Selbstverständnisses. Er speist sich aus einer langen Geschichte von Aggressionen von außen, Unterdrückung und Fremdbestimmung, aus der Erfahrung eines höllischen Weltkrieges und kommunistischer Herrschaft. Der Trotz hat seine Gründe und ist mitunter sympathisch und beneidenswert.

Aber die Polen konnten den Trotz nie ganz ablegen. Nicht, als sie schon in der NATO waren, auch nicht, als sie in die EU aufgenommen wurden, ebenso wenig nach einem fast märchenhaften Wirtschaftsaufschwung, der mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt andauert. Der Trotz blieb. Er war gemütlich. Man lamentiert und fordert viel und hinterfragt sich selber wenig. Genau das haben die Polen während des Wahlkampfes monatelang gemacht. Getrotzt. Gegen die da oben (in der Regierung), die da drüben (in Berlin und Brüssel) und die da unten (auf dem Balkan und den Nussschalen im Mittelmeer).

Die stolzen Polen wollten damit auf ihr Selbstbestimmungsrecht pochen. Geschafft haben Sie das Gegenteil: Sie wirken wie der pubertierende Teenager, der sich über Muttis Alleinherrschaft (Kopacz) aufregt und dann zur wildfremden Nachbarin (Szydło) flüchtet. Sie wirken wie das trotzige Kind, das jahrelang Papas (Europas) Taschengeld einsteckt und ausrastet, wenn es dann mal bei der Hausarbeit (Flüchtlingsverteilung) helfen soll. Doch Polen ist 26. Solche spätpubertären Phasen kann und wird keiner mehr Ernst nehmen. Es wäre Zeit, erwachsen zu werden.

 

 
Update vom 26.Oktober: Heute habe ich die Wahl für detektor.fm noch einmal kommentiert. Etwas weniger polarisierend, aber immer noch überzeugt von der Gefahr des Ergebnisses für die Außenwirkung Polens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *